01 Kirstein-Tierstele_2002 Gesamtbild

Die Stele der Haus- und Hoftiere am Viehmarktplatz, 2002 vom Künstler selbst aufgenommen. Foto: Martin Kirstein.

Stadtarchiv Winnenden, Bildarchiv

Die „Stele der Haus- und Hoftiere“

Station Stadtrundgang

Einleitung

Seit 2001 steht die „Stele der Haus- und Hoftiere“ des Winnender Künstlers Martin Kirstein provisorisch am Viehmarktplatz: Eine Skulptur mit Tierdarstellungen. Sie ist aus eckig behauenen rötlichen Blöcken des Vulkangesteins „Rochlitzer Porphyr“, das bei Rochlitz in Sachsen abgelagert wurde, und aus Bronze gefertigt. Mehrere Tiere stehen aus der etwa 3,20 Meter hohen Stele hervor oder sind dort als Reliefs abgebildet.

Motive

02 Kirstein-Tierstele_2025 Rinderkopf und Gänse

Dieser Ausschnitt zeigt den Kopf eines Rindes und ein Relief mit Gänsen aus Bronze. Das Bild wurde 2025 angefertigt. Foto: Peter Hoffmann.

Stadtarchiv Winnenden, Bildarchiv

Nutztiere hatten im Leben der Menschen vergangener Zeiten eine existenzielle Bedeutung und bestimmten vielfach den Alltag. Das in Kirsteins Werk versammelte Vieh spielte zudem im jahrhundertelangen Marktgeschehen Winnendens eine Rolle. Während einige Tiere vollplastisch gearbeitet sind, werden andere im Relief dargestellt. Pferd und Rind schauen lediglich als Kopf aus der Stele, das Schwein ragt zu einem Drittel daraus hervor, zwei Kaninchen, der Hahn und die Taube sind als vollständige Tiere gezeigt.  In Reliefform gibt es vier Ziegen, sieben Gänse und einen Schafbock. Der Widder ist das einzige Tier, das in den Stein gehauen ist. Alle anderen Tiere sind aus Bronze. 

Standort

Die Tiere wenden den Kopf jeweils einer anderen Himmelsrichtung zu. Zum Konzept des Künstlers ist bekannt, dass der Platzbesucher die Stele umrunden kann, um dabei die Details der Tierdarstellungen zu bewundern und die Bearbeitung des Vulkangesteins „Rochlitzer Porphyr“ zu erkunden. Diese Rundum-Ansicht war zuletzt nicht mehr möglich, weil zum einen ein am Viehmarktplatz ansässiger Gastronom dort eine ganzjährig nutzbare Außenterrasse für die Gäste installiert hat und zum anderen, weil zwei öffentliche Sitzbänke den Zugang zur Stele erschweren. Die Skulptur hat zudem durch einen 2016 dort platzierten Verteilerkasten für schnelles Internet mit einem dazugehörenden Schutzzaun einiges an ihrer Sichtbarkeit und Wahrnehmbarkeit eingebüßt. Das Kunstwerk könne seine Wirkung nicht mehr voll entfalten, werde an den Rand gedrängt und sei nicht mehr von allen Seiten aus betrachtbar, hält die Winnender Zeitung (Online-Ausgabe vom 24. September 2024) dazu fest. Die Standortfrage sowie eine Neugestaltung des Platzes sind bis in die Gegenwart ein Thema. Seit 2024 wird über einen Standortwechsel diskutiert.

06 Kirstein-Tierstele_2025 zugestellt

Inzwischen kommt die Skulptur kaum noch zur Geltung. Diese Aufnahme entstand während des Weihnachtsmarkts am 29. November 2025. Foto: Michaela Couzinet-Weber.

Stadtarchiv Winnenden, Bildarchiv

Enthüllung

Die Stele wurde im Rahmen des Weihnachtsmarkts 2001 vom damaligen Oberbürgermeister Bernhard Fritz und Rudolf Herkommer, dem Initiator der „Bürgergemeinschaft Stadtbildpflege“ (verstorben am 22. Juli 2014), enthüllt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Aus dem Archiv der Winnender Zeitung ist bekannt, dass die Bürgergemeinschaft im Jahr 1999 die Finanzierung der Stele in Höhe von 90.000 Mark übernommen hatte.

07 Kirstein-Tierstele_2001 Titelblatt Blickpunkt

Auf dem Titelblatt des „Blickpunkt Winnenden“ vom 5. Dezember 2001 ist zu sehen, wie die Stele der Haus- und Hoftiere enthüllt wird. Der damalige Oberbürgermeister Bernhard Fritz und der Sprecher der „Bürgergemeinschaft Stadtbildpflege“, Rudolf Herkommer, entfernen zusammen das Tuch von dem neuen Kunstwerk. 

Stadtarchiv Winnenden

Stadtgeschichtlicher Kontext

Der Bezug zum Marktgeschehen war entscheidend bei der Standortfrage. Die Stele sollte genau dort stehen, wo einst der Handel florierte – so als würden die darauf vereinten Tiere das Stadtgeschehen bis heute gedanklich begleiten, das auch Künstler Kirstein selbst als langjähriges Gemeinderatsmitglied persönlich mit gestaltet hat. Wie aus Quellen im Hauptstaatsarchiv Stuttgart hervorgeht, gab es den Viehmarkt schon im 18. Jahrhundert. Bis zur Maul- und Klauenseuche 1910 war Winnenden eine blühende Markt- und Handelsstation. Nach den Weltkriegen sind nur noch kleine Viehmärkte belegt. Die letzten fanden laut Winnender Zeitung in den 1980er-Jahren in der Robert-Boehringer-Straße statt. 

Heidrun Gehrke