Erwin Hertle wurde am 26. Dezember 1926 in Bittenfeld bei Waiblingen als einziges Kind des Maurers Johann Hertle und seiner Frau Marie geboren. Bereits als kleines Kind kam er nach Birkmannsweiler. Hier ging er von 1934 bis 1942 zur Schule. Im Malunterricht bei Lehrer Barfus offenbarte sich sein Talent, als er eine Geranie abzeichnete.
Die gesamten Schuljahrgänge 1938 im Schulhof mit den Lehrern Hummel und Gommel. Erwin Hertle ist das siebte Kind von rechts in der Reihe der stehenden Kinder. Foto: Unbekannt.
Später machte Hertle zunächst eine Lehre als Technischer Zeichner bei Diplomingeneur Ulrich Schad in Schwaikheim. Dieser erhielt Aufträge von der Organisation Todt, einer paramilitärischen Bautruppe des NS-Staats. Es mussten technische in graphische Zeichnungen umgewandelt werden.
In der Endphase des Zweiten Weltkriegs wurde Erwin Hertle zur Wehrmacht eingezogen. Er legte insgesamt drei Prüfungen im Segelfliegen ab. Als er so weit war, wurde die Luftwaffe nicht mehr eingesetzt. Er sollte stattdessen zur Infanterie wechseln, wo er eine kurze Ausbildung erhielt. Der Krieg in Winnenden dauerte dann nur noch wenige Tage.
Wiederum bei Ulrich Schad machte er nun eine Ausbildung zum Grafiker. Er erschuf dabei Malbücher und Werbung. Daran anschließend arbeitete Erwin Hertle fünf Jahre lang bei der Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung in Stuttgart. Die Aufgaben dort umfassten auch technische Zeichnungen, Landkarten und figürliche Darstellungen. Es folgte eine Tätigkeit bei dem Grafiker Barbora, der unter anderem für Bosch und Mercedes Werbeaufträge übernahm. Hertle wurde Abteilungsleiter. Ihm waren 18 Mitarbeiter unterstellt.
Nachdem er eine Prüfung zum freien Grafiker erfolgreich abgelegt hatte, machte er sich selbstständig und eröffnete in Birkmannsweiler ein Büro für Werbegrafik. Dieses betrieb er bis zu seinem Ruhestand mit 70 Jahren. Er zählte namhafte Firmen wie Salamander zu seinen Kunden.
Sein privates Glück fand Erwin Hertle mit Lore Fritz, die 1944 aus Stuttgart-Bad Cannstatt zugezogen war. Die Hochzeitsfeier fand am 4. Juni 1954 in der Krone Heubach in Birkmannsweiler statt. Im Jahr 1958 kam Sohn Ronny auf die Welt. Inzwischen konnte das Ehepaar seine Gnadenhochzeit begehen und erhielt dazu eine Urkunde des Bundespräsidenten.
Erwin Hertle brachte sich in Birkmannsweiler stark ein. Er war Mitglied in den Vereinen und fertigte für diese und die Gemeinde kostenlos Logos, Plakate und Festschriftentwürfe an. Unter anderem gestaltete er den Kopf des Amtsblattes, das Logo der Feuerwehr, die Birke im Ortswappen und den Heimatteller. Beim VfR Birkmannsweiler war er in der Fußballmannschaft aktiv, schuf Kulissen für die Jahresfeiern und entwickelte sogar das Vereinswappen mit Hirsch, das bis heute aktuell ist. Außerdem spielte er beim Seniorentreff und in den Vereinen Akkordeon.
Eine weitere Leidenschaft Hertles war das Skifahren. Er nahm oft an Skireisen teil und betrieb mit anderen Bürgern als Skigemeinschaft Birkmannsweiler sogar einen Lift in Steinbruck im Welzheimer Wald.
Birkmannsweiler Bürger betrieben in Steinbruck einen Skilift. Dazu veröffentlichte die Winnender Zeitung am 16. Februar 1991 einen Artikel.
Außerhalb der Werbe- und Grafikwelt malte und zeichnete Erwin Hertle ebenfalls. Neben seinem Lebensmittelpunkt Birkmannsweiler hielt er Ansichten von Winnenden und den nahen Teilorten sowie Bergmotive fest. Es handelt sich dabei um Zeichnungen, Bilder in Öl und Aquarelle.
Sein Engagement und sein Werk werden wertgeschätzt. Dies zeigt sich zum Beispiel daran, dass er im Rahmen der 700-Jahrfeier von Birkmannsweiler am 27. März 2004 mit der Bürgermedaille in Bronze ausgezeichnet wurde. Außerdem fand 2010 eine Ausstellung seiner Arbeiten im evangelischen Gemeindehaus statt. Er prägt mit seinen Logos, Wappen und Zeichnungen das Bild des Ortes bis heute.
Am 13. September 2025 wurde das folgende Zeitzeugeninterview mit Herrn Hertle und seiner Frau Lore aufgenommen. Die Fragen stellten Diethard Fohr von der Initiative Stadtmuseum im Historischen Verein Winnenden, der Birkmannsweiler Altbürgermeister Friedrich Seibold und Horst Schönfeld, Ehrenvorsitzender des VfR Birkmannsweiler. Öffentlich gezeigt wurde der Film am 22. April 2026 in der Gaststätte Talaue.
Annika Niedenhoff
Über die Ausstellung erschien am 12. Oktober 2010 dieser Bericht in der Winnender Zeitung.