01 600-Jahrfeier_1925 Rathausbeleuchtung

Rathausbeleuchtung während des Fackelumzugs am ersten Tag des Jubiläums. Foto: Eugen Weber.

Stadtarchiv Winnenden, Bildarchiv

600 Jahre Zugehörigkeit Winnendens zu Württemberg

Stadtgeschichte

Einleitung

Im städtischen Leben Winnendens stellte das Fest der 600-jährigen Zugehörigkeit zu Württemberg ein bedeutendes gesellschaftliches Ereignis dar. Begangen wurde dieses pünktlich zum Jahrestag des Übergangs mit einem zweitägigen Festprogramm am 10. und 11. Oktober 1925. Der Winnender Gemeinderat beschloss am 1. August 1924, das Jubiläum zu feiern. Stadtschultheiß Georg Schmidgall schlug „die Veranstaltung eines historischen Festzugs und Festspiels seitens der Stadt“ vor. An Kosten veranschlagte er hierfür einige tausend Mark.

Der historische Kontext

Winnenden wurde das erste Mal urkundlich im Jahre 1181 erwähnt. Durch die Heirat von Luitgard von Neuffen mit Konrad von Weinsberg kam Winnenden 1277 an die Weinsberger, einem der mächtigsten Adelsgeschlechter Schwabens zu diesem Zeitpunkt. Die folgenden Jahrzehnte waren im Südwesten durch den Konflikt zwischen den Habsburgern und den Reichsstädten auf der einen und den Württembergern auf der anderen Seite geprägt. Konrad von Weinsberg als Alliierter der Habsburger verwaltete temporär sogar die Grafschaft Württemberg. Den Reichskrieg von 1311/12 entschieden die Habsburger für sich. Nach dem Tod des römisch-deutschen Königs Heinrich VII. und der darauf abgehaltenen Doppelwahl gelang es den Württembergern, durch geschicktes Taktieren zwischen beiden Seiten die eigene Existenz zu sichern. Schließlich nahmen die Habsburger aufgrund ihrer finanziellen Verschuldung Abstand davon, Teile Schwabens zu annektieren. Zugleich war Konrad von Weinsberg inzwischen selbst hoch verschuldet und verpfändete daher 1323 die Herrschaft Winnenden an Württemberg.

Nach dem Tod Graf Eberhards I. im Juni 1325 erwarb Graf Ulrich III. am 10. Oktober 1325 die Stadt Winnenden von Konrad von Weinsberg. Seitdem gehörte Winnenden zu Württemberg und teilte das Schicksal des Landes.

02 600-Jahrfeier_1312 Reichskrieg Dobler

Im Reichskrieg von 1311/12 zwischen dem württembergischen Grafen Eberhard I. und den Reichsstädten wurde Winnenden stark zerstört. Diese Zeichnung Carl Doblers entstammt seinem Zyklus „Geschichtsbilder aus Winnendens Vergangenheit“. 

Stadtarchiv Winnenden, Pb 401

Winnenden und Württemberg im Jahre 1925

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Das Denkmal auf dem Stadtfriedhof zur Erinnerung an den Ersten Weltkrieg listet die Namen von 132 Gefallenen, aufgenommen 2020. Foto: Michaela Couzinet-Weber.

Stadtarchiv Winnenden, Bildarchiv

Das Jubiläum der 600-jährigen Zugehörigkeit Winnendens zu Württemberg fiel in die „Goldenen Zwanziger Jahre“, eine Phase relativer Stabilisierung der Weimarer Republik. Der Erste Weltkrieg, der 132 junge Männer aus Winnenden das Leben gekostet hatte, und die Hyperinflation von 1923 waren gerade erst vorbei. Im Großen und Ganzen ging es dem Volksstaat Württemberg wirtschaftlich besser als vielen anderen Gegenden im Deutschen Reich. So nahm das Pro-Kopf-Einkommen in Württemberg im Zeitraum von 1913 bis 1928 um 16 Prozent zu, während es reichsweit nur um zwei Prozent stieg. 

Das geplante Festprogramm

Am 6. März 1925 verkündete Schultheiß Schmidgall in einer Gemeinderatssitzung, dass Oberlehrer Ernst Huber aus Bönnigheim sich bereiterklärt hätte, anlässlich des Jubiläums ein historisches Festspiel auszuarbeiten. 

Der Plan für die zweitägigen Feierlichkeiten wurde vorab im Volks- und Anzeigeblatt abgedruckt. Das Fest sollte am Samstag, den 10. Oktober, um 16.30 Uhr mit einem Glockengeläute eröffnet werden. Eine halbe Stunde später sollte ein Konzert der Stadtkapelle auf dem Marktplatz beginnen. Ab 18.30 Uhr war ein offizieller Festakt im Gesellschaftshaus der Heilanstalt unter Mitwirkung der Liedertafel und eines Orchesters vorgesehen, bei dem als Hauptredner der schwäbische Mundartdichter August Lämmle sprechen sollte. Dem Festakt schloss sich ein Fackelzug durch die Stadt an. Abgerundet wurde der erste Tag mit einem geselligen Beisammensein im Gasthof zur Krone, bei dem der Gesangsverein Urbania und ein Orchester auftreten sollten.

Am Sonntag, den 11. Oktober, startete das Fest mit einem Gottesdienst in der Schlosskirche. Ab 11 Uhr folgten Musik- und Gesangsvorträge auf dem Marktplatz durch die Stadtkapelle und den Gesangsverein Konkordia. Programmpunkt am frühen Nachmittag war eine Feier der Jugend auf dem Marktplatz. Beschließen sollte das Jubiläumswochenende ein Theaterspiel im Gesellschaftshaus der Heilanstalt mit dem Titel „Der grimmige Kommentur“, welches der Oberlehrer Ernst Huber aus Bönnigheim verfasst hatte.

Der Eintritt zum Festakt am Samstagabend war kostenlos. Jedoch mussten die Besucher aufgrund beschränkter Platzverhältnisse älter als 16 Jahre sein, um daran teilnehmen zu können. Der Eintrittspreis für das Theaterstück am Sonntagnachmittag betrug eine Mark.

04 600-Jahrfeier_1925 Festprogramm VAB

Das Festprogramm war abgedruckt im Volks- und Anzeigeblatt vom 6. Oktober 1925.

Stadtarchiv Winnenden