Die Kosten des Festes
Der Gemeinderat beriet am 30. Oktober 1925 über die angefallenen Kosten für das zweitägige Jubiläumswochenende. So erhielt die Winnender Stadtkapelle 60 Mark, die größtenteils dem auswärtigen Dirigenten zugutekommen sollten. Der Kapelle der Heilanstalt wurden 20 Mark verwilligt. Die Tätigkeit der Feuerwehrmänner, die an dem Wochenende Bereitschaftsdienst hatten, sollte mit zwei Mark pro Person entschädigt werden, was auch für den Einsatz der Feuerwehr-Trommler galt. Maschinist Bohn und Pfleger Stöhr von der Heilanstalt sprach der Gemeinderat für die ordnungsmäßige Bereithaltung und Reinigung des Festsaals insgesamt 20 Mark (Bohn) bzw. 25 Mark (Stöhr) zu. Stadtpfleger Karl Wild sollte als Entschädigung für seine Auslagen insbesondere bei der Einübung des Theaterstückes 60 Mark erhalten, wohingegen für Frau Jettinger für den gleichen Zweck 40 Mark vorgesehen waren. Bereits vor der Feier hatte der Gemeinderat beschlossen, dass der Ertrag eines Festspieltermins zu Gunsten der hiesigen Armen verteilt werden sollte. Hierfür wurde nun eine Summe von 200 Mark genehmigt.
Fazit
Die Feier der 600-jährigen Zugehörigkeit Winnendens zu Württemberg markierte einen Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben der Stadt. Ereignisse wie der abendliche Fackelzug und die geschmückte Innenstadt verdeutlichen den Stolz der Bürgerschaft angesichts dieses Jubiläums. Länger im Gedächtnis blieb die Aufführung des Theaterstücks „Der grimmige Kommentur“, das die Verbindung Winnendens mit dem Deutschen Orden in den Vordergrund stellte.
Hervorzuheben ist das breite Engagement der Winnender Vereine. So traten im Laufe des Festwochenendes die Gesangsvereine Konkordia, Liedertafel und Urbania auf, außerdem der Kirchenchor und die Stadtkapelle. Den Fackelzug am Samstagabend begleiteten unter anderem Turner und Mitglieder des Jünglingsvereins. Die Wichtigkeit der Feier für die Stadt wurde überdies unterstrichen durch die hochrangige Besetzung der Gäste beim Festakt und die Einladung des schwäbischen Heimatdichters August Lämmle als Hauptredner. Programmatisch war die Aussage von Stadtschultheiß Schmidgall, eine Nichtbegehung des Jubiläums wäre eine Versündigung an der Heimatgeschichte. Oberregierungsrat Köstlin sprach sieben Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges von einem inneren Aufbau. Dies traf den historischen Kontext der Goldenen Zwanziger und das Lebensgefühl vieler Zeitgenossen ganz gut. Winnenden kann man sich im Oktober 1925 als eine Stadt vorstellen, die nach den zurückliegenden Schrecken und Krisen bereit war, sowohl mit Stolz auf die Glanzlichter und harten Zeiten der Vergangenheit zu blicken als auch positiv gestimmt in die Zukunft zu gehen.
Lukas Schultze-Melling